Mittwoch, 15. Oktober 2008

Strand






Pelabuhan Ratu – unser Urlaub in den Ramadan Ferien

Nach dem Zuckerfest haben wir uns mit ein paar Freunden zum Strandurlaub aufgemacht. Wir haben uns ein paar Tage in vollkommener Ruhe und mit entspanntem Sonnenbaden ausgemalt…doch es kam ganz anders.

Da alle Hotels ausgebucht waren, wurden, wie so oft in Indonesien, die Kontakte spielen gelassen. Die Mutter des Freundes unseres Freundes, wohnt am Pelabuhan Ratu. Nach kurzer Rücksprache war klar, dass wir bei ihr übernachten durften, obwohl sie niemanden von uns kannte.

Die Busfahrt war auf 3Stunden angesetzt, wegen der Ferien und dem Stau auf den Straßen wurden daraus aber 7Stunden. Wir fuhren durch Berge und Täler und sahen zum ersten Mal die wunderschöne Landschaft Indonesiens. Leider konnten wir den Anblick auf Grund des etwas heiklen Fahrstils unseres Busfahrers nicht durchgehend genießen, sondern mussten uns zwischendurch beherrschen, nicht selbst den Platz am Lenkrad einnehmen zu wollen. Nach mehrmaligem Umsteigen waren wir endlich an unserem Ziel angekommen. Der Anblick vom Meer ließ unsere Herzen direkt höher schlagen.

Am nächsten Morgen waren wir zum Frühstück bei der Tante eines Freundes unseres Freundes Freund eingeladen. Es ist wirklich kompliziert, aber so merkt man mal welche Wellen die Gastfreundlichkeit hier schlägt.
Nach dem Frühstück (gebratener Fisch mit Reis) fuhren wir zum ersten Mal zum Strand. Das Wasser war sehr warm, dennoch konnte man nicht schwimmen, weil die Wellen zu hoch waren. Also verharrten wir eher am Rand, konnten uns trotzdem kaum auf den Beinen halten.

Gegen Mittag machten wir uns mit den Motorrädern auf den Weg zum nächsten Strand. Hier wurden wir Zeugen von dem gewaltigsten Stau, den wir beide je gesehen haben. Für 5 km brauchten wir 1,5 Stunden, teilweise mussten wir absteigen und unseren Weg zu Fuß fortsetzen. Es standen Autos an Autos, zwischendrin Lastwagen, die auf ihrer Ladefläche Menschen transportierten. Alles in der prallen Mittagssonne, trotzdem hörten wir Gitarren, Schlagzeuge, Gesang, fröhliches Geplapper.
Aus einer eigentlich „normalen“ Straße wurde kurzerhand eine Einbahnstraße, die Fahrzeuge standen teilweise in vier Spuren. Für den Gegenverkehr gab es kein Durchkommen mehr. Gegen den Hunger wurden Mangos und Avocados aus den Bäumen gepflückt, an einer Stelle wurde die Wasserleitung durchschnitten um einen mini Teil des Staus mit Wasser zu versorgen.

Nachdem wir endlich den (etwas enttäuschenden) Strand erreicht hatten und nach einem Sprung ins Wasser zu der überfüllten Straße zurückkehrten, entdeckten wir mit Schrecken den gleichen Laster an der gleichen Stelle wie vor ca. drei Stunden.
Scherzend hatten wir bereits überlegt, wie wir den Weg zu unserem Haus bewältigen sollten, da ja kein Motorrad zurück fahren konnte…Als wir aber auf die Straße traten, wurde uns schlagartig bewusst, dass nur unsere Füße uns durch das Chaos bringen würden.
Wir marschierten also bis in die Dunkelheit bergauf am Straßenrand entlang.
Selbst als Fußgänger hatten wir Mühe, dem Gegenverkehr auszuweichen, mussten teilweise stehen bleiben, Abkürzungen suchen. So liefen wir mit hochrotem Kopf zwischen den Lastern, Transportern und Reisebussen umher und dienten der Belustigung der einheimischen im Stau stehenden Menge.
Uns wurde neben „Mister“, „teacher“ und „putih“(=weiß) auch „i miss you“ hinterher gerufen…nur wenige erkannten unsere wahre Identität und schrieen „Misses“. Welch aufbauende Worte, wenn man am Rande des Wahnsinns hinter jeder Kurve hoffnungsvoll auf das Ende des Staus wartet!
Nach drei Stunden hatte der Horror ein Ende und wir erreichten erschöpft unsere Unterkunft.
An diesem Tag waren wir an unsere Grenzen gelangt – und wir sind uns sicher, dass es nicht das letzte Mal war.

Am nächsten Abend waren wir zum Abendessen eingeladen. Mal wieder wurde das Ende des Ramadans gefeiert - wie schon seit einer Woche.
Wir fuhren in ein kleines Dorf, in dem uns der Islam zum ersten Mal unangenehm begegnete.Unsere indonesische Freundin wurde vom Gastgeber aufgefordert, die Bedienung zu übernehmen, schließlich sei sie eine Frau. Während die Männer beim Essen unaufhörlich rauchten, wurde uns erklärt, dass man das als Frau nicht dürfe, sonst gelte man als schlecht und unerzogen.
Zu dem religiösen Fest in dem Dorf waren wir eingeladen, jedoch erledigte sich unsere Anwesenheit damit, dass wir als nicht Muslime keine religiöse Kleidung trugen, wie Kopftuch und hoch geschlossene Shirts.
Schon bald machten wir uns wegen Unbehagen auf den Heimweg.
Nach dieser Erfahrung machten wir uns noch viele Gedanken über den Abend und den ungleichen Status, von Mann und Frau. Obwohl uns vor unserer Abreise bewusst war, dass uns solche Situationen hier begegnen werden ist es etwas vollkommen anderes und erschreckendes plötzlich in einer solchen Situation zu sein.







Mittwoch, 8. Oktober 2008

Das Zuckerfest - Idul Fitri

Das Ende des Ramadans durften wir am 01.Oktober 2008 mit der Familie unserer Freundin Yuniar (Bild 1 v.l.n.r.) feiern.
Schon Tage vorher waren die Supermärkte voll mit Menschen und leer an Regalen. Alle kauften Essensvorräte für den großen Tag an dem das Fasten gebrochen werden sollte.
Am Abend vor dem Zuckerfest lag eine plötzliche Unruhe über der Stadt. Wir waren etwas irritiert wegen dem Gebet, was länger als normal aus den Lautsprechern der Moschee schallte, wegen den vielen Menschen auf den Straßen und den Raketen, die in den Himmel geschossen wurden.
In unserer Unwissenheit haben wir unsere Fenster und Türen geschlossen und den Fernseher lauter gestellt, bis uns dann eine SMS über den Trubel in der Stadt aufklärte. Das Fest begann schon am Abend des 30. Septembers, alle Leute gingen länger als normal in die Mosche und der Muhezin (wir übernehmen keine Verantwortung für die Rechtschreibung dieses Wortes) betete bis am nächsten Morgen um 6 Uhr die Lobpreisung Allahs in seine Lautsprechanlage.

Etwas übermüdet machten wir uns also am nächsten Tag um 7 Uhr auf den Weg zu Yuniars Familie. Ungewohnt still war es auf den Straßen. Es waren kaum Autos zu sehen und auch die öffentlichen Verkehrsmittel waren rar. An dem Haus der Oma (Bild 4) angekommen, war schon alles festlich geschmückt, auf jedem Tisch standen Kekse, Chips und Getränke, im Wohnzimmer war das große Buffet gedeckt. Yuniar, ihre Tante, die Oma und ihre Mutter haben bis 3 Uhr in der Nacht gebacken und gekocht um alle Gäste am nächsten Tag ordentlich verwöhnen zu können.Im kleineren Kreis der Familie (Bild 2) fand dann die erste Tradition statt. Jeder entschuldigt sich bei den anderen für vergangenes schlechtes Verhalten. Wir wurden bereits vorgewarnt, dass bei dem Entschuldigungsakt öfter mal ein paar Tränchen kullern. Es war eine sehr herzliche Stimmung, alle nahmen sich in den Arm, weinten sich gegenseitig an die Schulter und trotz der Vorbereitung waren wir überrascht und sehr gerührt, so dass auch bei uns ein paar Tränen kullerten.

Danach wurde das Buffet fürs Frühstück eröffnet. Wir hatten schon fast keinen Hunger mehr, da wir bereits den Keksvorrat geplündert hatten. Aber nicht zu essen wäre unhöflich gewesen und zudem hätten wir dann auch ein paar sehr leckere Köstlichkeiten verpasst.Später trafen wir uns mit der gesamten Nachbarschaft zum „Entschuldigen“, es wurde gemeinsam gebetet und aus dem Koran vorgelesen. Da die Nachbarn so begeistert von unserer Anwesenheit waren, wurden wir auch zu ihnen ins Haus eingeladen. (Bild 3) Auch dort durften wir viele leckere Sachen probieren, uns wurde immer wieder etwas auf den Teller gegeben, als dann das Hähnchen gereicht wurde haben wir dankend abgelehnt und uns langsam wieder auf den Weg zu „unserer Familie“ gemacht.
Allmählich dämmerte es uns, dass dieser Tag nicht umsonst „Zuckerfest“ hieß.
Später kamen dann noch viele weitere Verwandte zu dem Haus der Oma (Bild 7) Es wurde zusammen gesessen, geredet, gelacht und natürlich gegessen. Nie hatten wir uns das religiöse Fest der Moslems so vorgestellt. Es war eine lockere Atmosphäre, wir haben Späße gemacht und es uns zusammen gut gehen lassen. Alle waren sehr erfreut über unsere Anwesenheit und auch wir haben uns wirklich sehr wohl gefühlt in dem Familientrubel.

Den ganzen Tag über kamen noch weitere Verwandte, andere gingen zum nächsten Fest.
So mussten auch wir uns gegen Mittag von der Familie verabschieden, da uns der stellvertretende Direktor unserer Uni zu seinem Zuckerfest eingeladen hatte.
Dort trafen wir auch die anderen Austauschstudenten (Bild 6) und der ganze Prozess wiederholte sich. Es gab viel indonesisches Essen und es herrschte eine angenehme Stimmung, wenn auch nicht so familiär wie bei unserer Freundin.
Viele von den Gästen brachen nach einiger Zeit auf zur dritten Einladung. Wir hingegen kugelten uns mit einem zufriedenen Lächeln nach Hause.

Das war es also, unser erstes „Idul Fitri“ (so wird es hier genannt). Wir fühlten uns in diesem Monat sehr an die Adventszeit und Weihnachten erinnert. Mit der Fastenzeit sollen die Menschen sich besonders auf den Islam konzentrieren, den Koran studieren und regelmäßig in die Moschee gehen. Ein weiterer Hintergrund ist auch, dass die Menschen in dieser Zeit besonders an die Armen denken sollen. Die Schwangeren und stillenden Mütter dürfen beispielsweise nicht fasten, müssen dafür aber regelmäßig Geld spenden, oder Essen für die Leute auf der Straße kochen.

Mit den besten Gruessen,
eure Ann-Christin & Katharina