Mittwoch, 8. Oktober 2008

Das Zuckerfest - Idul Fitri

Das Ende des Ramadans durften wir am 01.Oktober 2008 mit der Familie unserer Freundin Yuniar (Bild 1 v.l.n.r.) feiern.
Schon Tage vorher waren die Supermärkte voll mit Menschen und leer an Regalen. Alle kauften Essensvorräte für den großen Tag an dem das Fasten gebrochen werden sollte.
Am Abend vor dem Zuckerfest lag eine plötzliche Unruhe über der Stadt. Wir waren etwas irritiert wegen dem Gebet, was länger als normal aus den Lautsprechern der Moschee schallte, wegen den vielen Menschen auf den Straßen und den Raketen, die in den Himmel geschossen wurden.
In unserer Unwissenheit haben wir unsere Fenster und Türen geschlossen und den Fernseher lauter gestellt, bis uns dann eine SMS über den Trubel in der Stadt aufklärte. Das Fest begann schon am Abend des 30. Septembers, alle Leute gingen länger als normal in die Mosche und der Muhezin (wir übernehmen keine Verantwortung für die Rechtschreibung dieses Wortes) betete bis am nächsten Morgen um 6 Uhr die Lobpreisung Allahs in seine Lautsprechanlage.

Etwas übermüdet machten wir uns also am nächsten Tag um 7 Uhr auf den Weg zu Yuniars Familie. Ungewohnt still war es auf den Straßen. Es waren kaum Autos zu sehen und auch die öffentlichen Verkehrsmittel waren rar. An dem Haus der Oma (Bild 4) angekommen, war schon alles festlich geschmückt, auf jedem Tisch standen Kekse, Chips und Getränke, im Wohnzimmer war das große Buffet gedeckt. Yuniar, ihre Tante, die Oma und ihre Mutter haben bis 3 Uhr in der Nacht gebacken und gekocht um alle Gäste am nächsten Tag ordentlich verwöhnen zu können.Im kleineren Kreis der Familie (Bild 2) fand dann die erste Tradition statt. Jeder entschuldigt sich bei den anderen für vergangenes schlechtes Verhalten. Wir wurden bereits vorgewarnt, dass bei dem Entschuldigungsakt öfter mal ein paar Tränchen kullern. Es war eine sehr herzliche Stimmung, alle nahmen sich in den Arm, weinten sich gegenseitig an die Schulter und trotz der Vorbereitung waren wir überrascht und sehr gerührt, so dass auch bei uns ein paar Tränen kullerten.

Danach wurde das Buffet fürs Frühstück eröffnet. Wir hatten schon fast keinen Hunger mehr, da wir bereits den Keksvorrat geplündert hatten. Aber nicht zu essen wäre unhöflich gewesen und zudem hätten wir dann auch ein paar sehr leckere Köstlichkeiten verpasst.Später trafen wir uns mit der gesamten Nachbarschaft zum „Entschuldigen“, es wurde gemeinsam gebetet und aus dem Koran vorgelesen. Da die Nachbarn so begeistert von unserer Anwesenheit waren, wurden wir auch zu ihnen ins Haus eingeladen. (Bild 3) Auch dort durften wir viele leckere Sachen probieren, uns wurde immer wieder etwas auf den Teller gegeben, als dann das Hähnchen gereicht wurde haben wir dankend abgelehnt und uns langsam wieder auf den Weg zu „unserer Familie“ gemacht.
Allmählich dämmerte es uns, dass dieser Tag nicht umsonst „Zuckerfest“ hieß.
Später kamen dann noch viele weitere Verwandte zu dem Haus der Oma (Bild 7) Es wurde zusammen gesessen, geredet, gelacht und natürlich gegessen. Nie hatten wir uns das religiöse Fest der Moslems so vorgestellt. Es war eine lockere Atmosphäre, wir haben Späße gemacht und es uns zusammen gut gehen lassen. Alle waren sehr erfreut über unsere Anwesenheit und auch wir haben uns wirklich sehr wohl gefühlt in dem Familientrubel.

Den ganzen Tag über kamen noch weitere Verwandte, andere gingen zum nächsten Fest.
So mussten auch wir uns gegen Mittag von der Familie verabschieden, da uns der stellvertretende Direktor unserer Uni zu seinem Zuckerfest eingeladen hatte.
Dort trafen wir auch die anderen Austauschstudenten (Bild 6) und der ganze Prozess wiederholte sich. Es gab viel indonesisches Essen und es herrschte eine angenehme Stimmung, wenn auch nicht so familiär wie bei unserer Freundin.
Viele von den Gästen brachen nach einiger Zeit auf zur dritten Einladung. Wir hingegen kugelten uns mit einem zufriedenen Lächeln nach Hause.

Das war es also, unser erstes „Idul Fitri“ (so wird es hier genannt). Wir fühlten uns in diesem Monat sehr an die Adventszeit und Weihnachten erinnert. Mit der Fastenzeit sollen die Menschen sich besonders auf den Islam konzentrieren, den Koran studieren und regelmäßig in die Moschee gehen. Ein weiterer Hintergrund ist auch, dass die Menschen in dieser Zeit besonders an die Armen denken sollen. Die Schwangeren und stillenden Mütter dürfen beispielsweise nicht fasten, müssen dafür aber regelmäßig Geld spenden, oder Essen für die Leute auf der Straße kochen.

Mit den besten Gruessen,
eure Ann-Christin & Katharina






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