

Pelabuhan Ratu – unser Urlaub in den Ramadan Ferien
Nach dem Zuckerfest haben wir uns mit ein paar Freunden zum Strandurlaub aufgemacht. Wir haben uns ein paar Tage in vollkommener Ruhe und mit entspanntem Sonnenbaden ausgemalt…doch es kam ganz anders.
Da alle Hotels ausgebucht waren, wurden, wie so oft in Indonesien, die Kontakte spielen gelassen. Die Mutter des Freundes unseres Freundes, wohnt am Pelabuhan Ratu. Nach kurzer Rücksprache war klar, dass wir bei ihr übernachten durften, obwohl sie niemanden von uns kannte.
Die Busfahrt war auf 3Stunden angesetzt, wegen der Ferien und dem Stau auf den Straßen wurden daraus aber 7Stunden. Wir fuhren durch Berge und Täler und sahen zum ersten Mal die wunderschöne Landschaft Indonesiens. Leider konnten wir den Anblick auf Grund des etwas heiklen Fahrstils unseres Busfahrers nicht durchgehend genießen, sondern mussten uns zwischendurch beherrschen, nicht selbst den Platz am Lenkrad einnehmen zu wollen. Nach mehrmaligem Umsteigen waren wir endlich an unserem Ziel angekommen. Der Anblick vom Meer ließ unsere Herzen direkt höher schlagen.
Am nächsten Morgen waren wir zum Frühstück bei der Tante eines Freundes unseres Freundes Freund eingeladen. Es ist wirklich kompliziert, aber so merkt man mal welche Wellen die Gastfreundlichkeit hier schlägt.
Nach dem Frühstück (gebratener Fisch mit Reis) fuhren wir zum ersten Mal zum Strand. Das Wasser war sehr warm, dennoch konnte man nicht schwimmen, weil die Wellen zu hoch waren. Also verharrten wir eher am Rand, konnten uns trotzdem kaum auf den Beinen halten.
Gegen Mittag machten wir uns mit den Motorrädern auf den Weg zum nächsten Strand. Hier wurden wir Zeugen von dem gewaltigsten Stau, den wir beide je gesehen haben. Für 5 km brauchten wir 1,5 Stunden, teilweise mussten wir absteigen und unseren Weg zu Fuß fortsetzen. Es standen Autos an Autos, zwischendrin Lastwagen, die auf ihrer Ladefläche Menschen transportierten. Alles in der prallen Mittagssonne, trotzdem hörten wir Gitarren, Schlagzeuge, Gesang, fröhliches Geplapper.
Aus einer eigentlich „normalen“ Straße wurde kurzerhand eine Einbahnstraße, die Fahrzeuge standen teilweise in vier Spuren. Für den Gegenverkehr gab es kein Durchkommen mehr. Gegen den Hunger wurden Mangos und Avocados aus den Bäumen gepflückt, an einer Stelle wurde die Wasserleitung durchschnitten um einen mini Teil des Staus mit Wasser zu versorgen.
Nachdem wir endlich den (etwas enttäuschenden) Strand erreicht hatten und nach einem Sprung ins Wasser zu der überfüllten Straße zurückkehrten, entdeckten wir mit Schrecken den gleichen Laster an der gleichen Stelle wie vor ca. drei Stunden.
Scherzend hatten wir bereits überlegt, wie wir den Weg zu unserem Haus bewältigen sollten, da ja kein Motorrad zurück fahren konnte…Als wir aber auf die Straße traten, wurde uns schlagartig bewusst, dass nur unsere Füße uns durch das Chaos bringen würden.
Wir marschierten also bis in die Dunkelheit bergauf am Straßenrand entlang.
Selbst als Fußgänger hatten wir Mühe, dem Gegenverkehr auszuweichen, mussten teilweise stehen bleiben, Abkürzungen suchen. So liefen wir mit hochrotem Kopf zwischen den Lastern, Transportern und Reisebussen umher und dienten der Belustigung der einheimischen im Stau stehenden Menge.
Uns wurde neben „Mister“, „teacher“ und „putih“(=weiß) auch „i miss you“ hinterher gerufen…nur wenige erkannten unsere wahre Identität und schrieen „Misses“. Welch aufbauende Worte, wenn man am Rande des Wahnsinns hinter jeder Kurve hoffnungsvoll auf das Ende des Staus wartet!
Nach drei Stunden hatte der Horror ein Ende und wir erreichten erschöpft unsere Unterkunft.
An diesem Tag waren wir an unsere Grenzen gelangt – und wir sind uns sicher, dass es nicht das letzte Mal war.
Am nächsten Abend waren wir zum Abendessen eingeladen. Mal wieder wurde das Ende des Ramadans gefeiert - wie schon seit einer Woche.
Wir fuhren in ein kleines Dorf, in dem uns der Islam zum ersten Mal unangenehm begegnete.Unsere indonesische Freundin wurde vom Gastgeber aufgefordert, die Bedienung zu übernehmen, schließlich sei sie eine Frau. Während die Männer beim Essen unaufhörlich rauchten, wurde uns erklärt, dass man das als Frau nicht dürfe, sonst gelte man als schlecht und unerzogen.
Zu dem religiösen Fest in dem Dorf waren wir eingeladen, jedoch erledigte sich unsere Anwesenheit damit, dass wir als nicht Muslime keine religiöse Kleidung trugen, wie Kopftuch und hoch geschlossene Shirts.
Schon bald machten wir uns wegen Unbehagen auf den Heimweg.
Nach dieser Erfahrung machten wir uns noch viele Gedanken über den Abend und den ungleichen Status, von Mann und Frau. Obwohl uns vor unserer Abreise bewusst war, dass uns solche Situationen hier begegnen werden ist es etwas vollkommen anderes und erschreckendes plötzlich in einer solchen Situation zu sein.


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