Samstag, 13. September 2008

Das Unileben

Seit gut zwei Wochen haben wir nun die U.P.I (Universitas Pendidikan Indonesia) besucht. Wir haben Deutschkurse sowie auch Französischseminare belegt.
Ein kleiner Dorn im Auge ist uns, dass die meisten Veranstaltungen schon morgens um 7 Uhr beginnen. Die Stundenpläne sind festgelegt. Anders als in Heidelberg kann man sich seinen Plan nicht selbst zusammen schustern und freitags frei haben oder erst um 12 beginnen.

Also haben wir zwei Mädels, von der Gesellschaft auf Pünktlichkeit geprägt, uns zeitig auf den Weg gemacht um auch 10 Minuten vor Beginn der Veranstaltung an der Uni zu sein.
Zu unserem Erstaunen waren wir die Einzigen in dem Raum und das auch noch 20 Minuten nach Beginn des Seminars. Nach 30 Minuten haben wir uns erkundigt, ob wir im richtigen Raum sitzen. Wir saßen im richtigen Raum! Das bestätigte auch der Student, der ganze 35 Minuten und der Dozent der 40 Minuten nach dem eigentlichen Beginn eintrafen. Wegen Unterbesetzung wurde die Veranstaltung dann auf die nächste Woche verlegt.

Insgesamt kommt uns das Leben an der Uni sehr chaotisch und durcheinander vor. Viele Studenten kommen zu spät und entschuldigen sich mit „Ich hatte einen Unfall“ oder wahlweise auch „Ich habe Durchfall“. Dabei haben wir noch nie einen Dozenten böse erlebt oder gesehen, dass ein zu spät gekommener Student vom Unterricht ausgeschlossen wurde.
Gerade das, was wir als Chaos bezeichnen, macht die Uni aus. Es wird viel miteinander geredet und gelacht. Die Dozenten haben die Handynummern von den Studenten und andersherum. Sie schreiben sich gegenseitig SMS über Uni-Themen. Und rufen sich auch öfter mal an. Die Studenten kennen sich untereinander, egal welches Semester. Auch die, die schon längst fertig sind mit ihrem Studium kommen noch regelmäßig auf den Flur der Deutschabteilung um Freunde zu treffen und Neuigkeiten zu erfahren.
Es ist einfach Leben in der Bude.
Am Anfang wirklich sehr befremdlich und ein kompletter Unterschied zu unserem gewohnten Uni Alltag. Nicht selten wurde festgestellt „Die Deutschen lieben Pünktlichkeit und Ordnung.“. Recht haben sie. Aber wir merken, wie schnell und gut man seine Pünktlichkeit und Ordnung auch beiseite legen und sich im Chaos wohl fühlen kann.

Kurz gesagt, wir sind gut aufgenommen worden. Sind mitten im Geschehen. Uns werden Aufgaben übertragen und im Fach Deutsch werden wir nicht selten um Rat gefragt.
Vor ein paar Tagen waren wir bei einem Einstufungstest für den Indonesischkurs, den wir noch belegen wollen. Zusammen mit den anderen Austauschstudenten aus Asien wurden wir zum mündlichen Test gebeten.
Es überraschte uns nicht, dass wir in den Anfängerkurs eingestuft wurden, wohl aber, dass er jeden Tag vier Stunden stattfinden soll.
Das ist natürlich genau das, was wir brauchen, allerdings können wir dann unsere Deutsch- und Französischkurse nicht mehr belegen.
Vermutlich gehen wir für fünf Wochen in den Indokurs und kehren dann zurück in unsere ursprünglichen Veranstaltungen.

In den kommenden Wochen werden also wir die Besucher auf dem Flur der Deutschabteilung sein, unsere Freunde treffen und Neuigkeiten erfahren.


eure Ann-Christin & Katharina





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